von Michael Selck
Rechnungsstellung mit KI – verschickt wird vom Menschen
Die Heizung läuft, der Kunde ist zufrieden, die Monteure sind schon auf der nächsten Baustelle. Die Rechnung aber liegt noch nicht beim Kunden. Ein Stundenzettel steckt im Handschuhfach des Transporters, zwei Lieferscheine vom Großhandel liegen im Büro, das Aufmaß ist auf dem Handy des Obermonteurs. Bis jemand alles zusammengetragen, mit dem Angebot verglichen und in die Rechnungssoftware getippt hat, vergehen Tage, manchmal Wochen. Wer „Rechnungsstellung automatisieren“ oder „E-Rechnung Mittelstand“ sucht, kennt diese Lücke zwischen erledigtem Auftrag und verschickter Rechnung. Ab 2027 kommt die Pflicht zur E-Rechnung dazu. Bei uns heißt die Antwort: Eine KI-Stelle bereitet die Rechnung vor, auch die strukturierten Daten für die E-Rechnung. Ein Mensch prüft jede Rechnung, entscheidet und gibt sie zum Versand frei.
Vorweg, damit nichts schief klingt: Wir sind eine Agentur aus Rostock und rechnen keine Heizungsmontagen ab. Der Mechanismus, um den es hier geht, läuft bei uns aber seit 14 Monaten täglich. Unsere Buchhaltungs-Assistenz liest Belege, gleicht sie mit Bestellungen ab und meldet Abweichungen, statt sie selbst zu klären. Gebucht und gezahlt wird erst, wenn ein Mensch freigegeben hat. Dieses Muster überträgt dieser Beitrag auf die Ausgangsrechnung eines Handwerks-, Industrie- oder Dienstleistungsbetriebs: lesen, abgleichen, Abweichung markieren, vorbereiten – und am Ende entscheidet der Mensch. Die Beispiele zeigen, wie ein solcher Ablauf eingerichtet wird. Zahlen zu gesparter Zeit oder schnellerem Zahlungseingang versprechen wir keine.
Wo zwischen Auftrag und Rechnung die Zeit verloren geht
In einem Betrieb mit 20, 60 oder 150 Mitarbeitenden schreibt selten jemand nur Rechnungen. Es macht das Büro nebenbei, manchmal die Meisterin, manchmal der Chef am Wochenende. Die eigentliche Entscheidung – geht diese Rechnung so raus? – dauert oft nur ein paar Minuten. Davor liegt fast immer dieselbe Fleißarbeit:
- Zusammensuchen. Stundenzettel kommen auf Papier, als Foto oder gar nicht. Lieferscheine liegen im Fahrzeug, im Lager oder im Postfach. Das Aufmaß steckt in einem Notizbuch. Bevor die erste Zeile geschrieben ist, telefoniert jemand den Unterlagen hinterher.
- Abgleichen. Was wurde angeboten, was beauftragt, was tatsächlich geleistet? Jemand legt Angebot, Auftragsbestätigung, Nachträge, Stundenzettel und Lieferscheine nebeneinander und vergleicht Position für Position. Mehrstunden, Zusatzmaterial und weggefallene Leistungen fallen dabei auf – oder eben nicht.
- Abtippen. Stunden, Material, Mengen aus dem Aufmaß, Leistungszeitraum, Bestellnummer des Kunden: Alles wird von Hand in die Rechnungssoftware übertragen, obwohl es irgendwo schon einmal erfasst war.
- Nachfragen. Der Stundenzettel ist nicht unterschrieben, auf dem Lieferschein fehlt die Baustelle, beim Aufmaß fehlt eine Wand. Jede offene Frage hält die Rechnung auf.
- Liegenlassen. Weil all das Zeit kostet, wird es auf ruhige Tage verschoben. Die kommen selten. Rechnungen gehen gesammelt am Monatsende raus – oder noch später.
Keine dieser Routinen verlangt ein Urteil. Das Urteil kommt erst danach: Berechnen wir die Mehrstunden, obwohl es keinen Nachtrag gibt? Lassen wir dem Stammkunden die halbe Stunde Anfahrt? Stimmt der Preis noch, oder haben wir am Telefon etwas zugesagt? Für genau diese Fragen fehlt im Büro die Zeit, solange die Vorarbeit sie frisst.
Die Grundregel: vorbereiten ja, verschicken nie ohne Freigabe
Für eine KI-Stelle in der Rechnungsstellung gilt dieselbe Linie wie für jede unserer Stellen: Die KI bereitet vor, der Mensch gibt frei. Bei Rechnungen ist das besonders wichtig. Jede Rechnung ist eine Forderung an einen Kunden, ein steuerlich relevantes Dokument und ein Stück Kundenbeziehung. Eine falsche Rechnung zurückzunehmen kostet mehr Zeit und Vertrauen, als sie vorher zu prüfen. Konkret heißt das:
- Die KI-Stelle sammelt, liest, gleicht ab und schreibt den Rechnungsentwurf – samt der strukturierten Daten, die eine E-Rechnung braucht.
- Sie verschickt nichts. Keine Rechnung, keine Abschlagsrechnung, keine Gutschrift verlässt den Betrieb ohne Freigabe eines Menschen.
- Sie legt keine Preise fest. Sie übernimmt Preise aus Angebot, Auftrag, Preisliste oder Rahmenvertrag. Passt etwas nicht zusammen, markiert sie es, statt einen Preis zu wählen.
- Sie gewährt keine Kulanz. Ob Mehrstunden ohne Nachtrag berechnet werden oder eine Anfahrt entfällt, entscheidet ein Mensch.
- Sie rät nicht. Einen unleserlichen Stundenzettel, einen Lieferschein ohne Auftragsbezug oder ein lückenhaftes Aufmaß markiert sie als offen.
- Sie bucht nicht. Die Rechnung landet erst nach dem Versand in der Buchhaltung, auf dem gewohnten Weg.
Innerhalb dieser Linie bleibt viel Arbeit, die eine KI-Stelle abnehmen kann. Der Ablauf hat vier Schritte, und in jedem fällt ein Handgriff weg.
Schritt 1: Unterlagen sammeln, statt ihnen hinterherzutelefonieren
Ein Haustechnik-Betrieb bei Rostock, 35 Mitarbeitende. Zwei Monteure haben in einem Bürogebäude eine Heizungsanlage getauscht. Sobald der Auftrag im System als erledigt gemeldet ist, beginnt die KI-Stelle mit dem Sammeln: Stundenzettel der beiden Monteure – als Foto aus der Baustellen-App oder gescannt –, Lieferscheine des Großhändlers aus dem Postfach, Materialentnahmen aus dem Lager, das Aufmaß des Obermonteurs, das Abnahmeprotokoll. Dazu Angebot, Auftragsbestätigung und eventuelle Nachträge.
Sie liest jedes Dokument und ordnet es dem Auftrag zu: über die Auftragsnummer, die Baustelle, den Kunden oder das Datum. Fehlt etwas, sagt sie das nicht am Monatsende, sondern am selben Tag: „Für den 14. fehlt der Stundenzettel von Monteur B. Lieferschein 3 nennt keine Baustelle, ist aber zeitlich und vom Material her vermutlich diesem Auftrag zuzuordnen – bitte bestätigen.“ Die Nachfrage geht als Entwurf an den Zuständigen, nicht direkt an den Monteur.
- Fällt weg: Stundenzettel, Lieferscheine und Aufmaße aus Fahrzeugen, Postfächern und Notizbüchern zusammensuchen.
- Bleibt beim Menschen: die Bestätigung, ob ein unklar zugeordneter Beleg wirklich zu diesem Auftrag gehört.
Schritt 2: Positionen abgleichen, statt Papiere nebeneinanderzulegen
Jetzt vergleicht die KI-Stelle, was angeboten und beauftragt wurde, mit dem, was tatsächlich geleistet und geliefert wurde. Sie rechnet Stunden je Tätigkeit zusammen, ordnet Material den Angebotspositionen zu, übernimmt Mengen aus dem Aufmaß und prüft, ob schon Abschläge gestellt wurden. Was übereinstimmt, wandert in den Entwurf. Was abweicht, wird markiert. So kann die Liste der Abweichungen für diesen Auftrag aussehen:
| Abweichung | Was die KI-Stelle sieht | Ihr Hinweis |
|---|---|---|
| Mehrstunden ohne Nachtrag | Angeboten waren Montagestunden für zwei Tage, laut Stundenzetteln wurde einen halben Tag länger gearbeitet. Ein Nachtrag liegt nicht vor. | Bitte entscheiden: berechnen, mit Begründung berechnen oder nicht berechnen. Laut Bautagebuch war eine Leitung im Bestand undicht. |
| Zusatzmaterial | Auf Lieferschein 2 stehen Absperrventile, die im Angebot fehlen. | Vermutlich im Zuge der undichten Leitung verbaut. Preis aus der Preisliste vorgeschlagen, bitte prüfen. |
| Nicht ausgeführte Position | Die angebotene Demontage des alten Öltanks taucht in keinem Stundenzettel auf. | Position nicht in den Entwurf übernommen. Bitte klären, ob sie entfallen ist oder noch aussteht. |
| Abschlag | Eine Abschlagsrechnung wurde bereits gestellt und bezahlt. | Im Entwurf als Abzug berücksichtigt. |
| Fehlende Unterschrift | Ein Stundenzettel ist nicht vom Kunden gegengezeichnet, obwohl der Vertrag das vorsieht. | Hinweis vor Versand, kein Abbruch. |
Gerade die erste Zeile ist der Grund, warum dieser Schritt nicht in einer starren Regel enden darf. Die KI-Stelle sieht, dass mehr gearbeitet wurde als angeboten. Sie sucht im Wissen des Betriebs nach dem möglichen Grund, im Bautagebuch, in den Notizen des Monteurs, im Schriftverkehr mit dem Kunden. Ob der Kunde die Mehrstunden bezahlen soll, kann sie nicht beurteilen. Das hängt davon ab, was vereinbart war, was am Telefon gesagt wurde und wie wichtig dieser Kunde ist.
- Fällt weg: Angebot, Auftrag, Nachträge, Stundenzettel und Lieferscheine von Hand Position für Position abgleichen.
- Bleibt beim Menschen: die Entscheidung über jede markierte Abweichung.
Schritt 3: Einen Rechnungsentwurf vorlegen, statt abzutippen
Aus dem Abgleich entsteht der Rechnungsentwurf, im Layout und in der Software, die Ihr Betrieb ohnehin nutzt. Die KI-Stelle trägt ein, was eine ordnungsgemäße Rechnung braucht: Name und Anschrift von Kunde und Betrieb, Steuernummer oder Umsatzsteuer-Identifikationsnummer, Rechnungsnummer aus dem Nummernkreis, Rechnungsdatum, Leistungszeitraum, Menge und Art der Leistung, Entgelt nach Steuersätzen, den Steuerbetrag, abgezogene Abschläge. Hat der Kunde eine Bestellnummer oder eine Leitweg-ID vorgegeben, steht sie dabei.
Dazu kommen die Positionen mit Bezug zur Quelle: Jede Stundenposition verweist auf die Stundenzettel, jede Materialposition auf den Lieferschein oder die Entnahme, jede Menge auf das Aufmaß. Wer den Entwurf prüft, muss nicht suchen, woher eine Zahl kommt. Die markierten Abweichungen aus Schritt 2 stehen oben, deutlich getrennt vom Rest. Ein kurzer Begleittext für die E-Mail an den Kunden liegt als Entwurf bei, im Ton Ihres Hauses.
- Fällt weg: Stunden, Material, Mengen und Kundendaten von Hand in die Rechnungssoftware tippen.
- Bleibt beim Menschen: die Prüfung des Entwurfs und jede inhaltliche Änderung.
Schritt 4: Lesen, entscheiden, verschicken – der Freigabe-Moment
Der Mensch im Büro oder der Meister bekommt den Entwurf zur Freigabe. Er liest die markierten Abweichungen zuerst und entscheidet: Die Mehrstunden werden berechnet, mit einem Satz zur undichten Leitung. Die Absperrventile bleiben drin. Die Demontage des Öltanks ist auf Wunsch des Kunden entfallen, das passt so. Den fehlenden Gegenzeichnungen geht er nach, bevor die Rechnung hinausgeht – oder er entscheidet, dass sie bei diesem Kunden nicht nötig ist.
Dann gibt er die Rechnung frei. Erst jetzt wird die Rechnungsnummer endgültig vergeben, die Rechnung erzeugt – als E-Rechnung, wo sie Pflicht oder gewünscht ist – und verschickt. Die KI-Stelle legt die Rechnung zum Auftrag ab und übergibt sie auf dem gewohnten Weg an die Buchhaltung. Ändert der Mensch etwas Grundsätzliches, etwa weil Anfahrten bei einem Kunden künftig nie berechnet werden sollen, hält die KI-Stelle das nach seiner Freigabe als Regel fest. Der nächste Entwurf für diesen Kunden berücksichtigt sie dann schon.
- Fällt weg: nach dem Versand noch einmal Unterlagen zum Auftrag sortieren und ablegen.
- Bleibt beim Menschen: die Entscheidung über Versand oder Korrektur – ohne seine Freigabe geht keine Rechnung hinaus.
Auf einen Blick: Was wegfällt und wer entscheidet
| Handgriff | Bisher | Jetzt |
|---|---|---|
| Sammeln | Stundenzettel, Lieferscheine und Aufmaße zusammensuchen und hinterhertelefonieren. | Die Unterlagen sind dem Auftrag zugeordnet, Lücken werden am selben Tag gemeldet. |
| Abgleichen | Angebot, Auftrag und Belege Position für Position vergleichen. | Übereinstimmungen stehen im Entwurf, Abweichungen sind markiert und begründet. |
| Schreiben | Jede Rechnung von Hand in die Software tippen. | Der Rechnungsentwurf liegt fertig vor, jede Position mit Quelle. |
| E-Rechnung | Strukturierte Daten zusätzlich pflegen oder gar nicht. | Die Daten für die E-Rechnung sind im Entwurf vollständig vorbereitet. |
| Entscheiden | Ein Mensch entscheidet über Preise, Kulanz und Versand. | Ein Mensch entscheidet über Preise, Kulanz und Versand – unverändert. |
Die E-Rechnung: Was seit 2025 gilt und was 2027 und 2028 kommt
Für viele Betriebe ist die E-Rechnung der Anlass, die eigene Rechnungsstellung überhaupt anzusehen. Deshalb hier nüchtern, was gilt. Betroffen sind Rechnungen zwischen Unternehmen im Inland (B2B). Rechnungen an Privatkunden sind nicht betroffen, ebenso wenig Kleinbetragsrechnungen bis 250 € und Fahrausweise. Für Rechnungen an öffentliche Auftraggeber gelten schon länger eigene Regeln. Wer für Bund, Land oder Kommune arbeitet, kennt die XRechnung oft schon.
| Ab wann | Was gilt |
|---|---|
| 1. Januar 2025 | Jedes inländische Unternehmen muss E-Rechnungen empfangen können. Dafür genügt ein E-Mail-Postfach. Lesen und aufbewahren muss man die Dateien aber auch. |
| 2025 und 2026 | Beim Ausstellen sind Papierrechnungen weiter erlaubt, andere elektronische Formate wie PDF mit Zustimmung des Empfängers. |
| 1. Januar 2027 | Unternehmen mit mehr als 800.000 € Gesamtumsatz im Vorjahr müssen E-Rechnungen ausstellen. Betriebe darunter dürfen bis Ende 2027 weiter Papier- und andere Rechnungen ausstellen. |
| 1. Januar 2028 | Alle Unternehmen müssen im inländischen B2B-Geschäft E-Rechnungen ausstellen. Auch die Übergangsregel für bestimmte EDI-Verfahren endet. |
Wichtig für die Praxis: Eine PDF-Datei per E-Mail ist keine E-Rechnung. Eine E-Rechnung ist eine strukturierte Datei nach der europäischen Norm EN 16931, die eine Software ohne Abtippen lesen kann. In Deutschland sind das vor allem die XRechnung und ZUGFeRD ab Version 2.0.1, wobei die Profile MINIMUM und BASIC-WL nicht genügen. Bei ZUGFeRD steckt die Datei in einem PDF, das zusätzlich für Menschen lesbar ist. Bei einer Abweichung zwischen beiden gilt die strukturierte Datei, und sie ist auch das, was aufbewahrt werden muss. Für viele Betriebe heißt das: 2026 ist das Jahr, in dem die Rechnungssoftware E-Rechnungen sauber erzeugen können sollte, auch wenn die Pflicht zum Ausstellen erst 2027 oder 2028 greift. (Das ist eine Einordnung aus der Praxis mit Stand November 2026, keine Steuerberatung. Was für Ihren Betrieb im Einzelfall gilt, klären Sie mit Ihrem Steuerberater.)
Wo die KI-Stelle zuarbeitet – und wo die Verantwortung bleibt
Die E-Rechnung ändert nichts daran, wer eine Rechnung verantwortet. Sie ändert, wie sauber die Daten sein müssen. Eine strukturierte Rechnung verzeiht keine fehlende Bestellnummer, keinen falsch gesetzten Steuersatz und keine Mengeneinheit, die nur im Kopf des Monteurs existiert. Genau hier ist die Vorarbeit einer KI-Stelle am meisten wert:
- Sie arbeitet die strukturierten Daten zu. Kundendaten, Steuernummern, Leistungszeitraum, Positionen mit Einheit und Steuersatz, Abschläge, Bestellnummer oder Leitweg-ID: Alles, was die E-Rechnung braucht, steht im Entwurf vollständig und einheitlich, aus den Quellen übernommen statt abgetippt.
- Sie prüft vor dem Versand auf Lücken. Fehlt eine Pflichtangabe, passt eine Einheit nicht oder hat der Kunde eine Bestellnummer verlangt, die nicht im Auftrag steht, markiert sie das, bevor eine Rechnung zurückkommt.
- Sie liest eingehende Rückfragen mit. Weist ein Kunde eine E-Rechnung zurück, etwa wegen einer fehlenden Bestellnummer, ordnet sie die Rückmeldung dem Auftrag zu und bereitet die Korrektur vor.
Drei Dinge bleiben dagegen ausdrücklich beim Betrieb, mit oder ohne E-Rechnung:
- Die Preise. Die KI-Stelle übernimmt Preise aus Angebot, Auftrag, Preisliste oder Rahmenvertrag. Ob ein alter Angebotspreis noch gilt, ob eine Preiserhöhung weitergegeben wird oder ob am Telefon ein Sonderpreis zugesagt wurde, weiß und entscheidet ein Mensch.
- Die Kulanz. Mehrstunden ohne Nachtrag, eine Anfahrt beim Stammkunden, eine Nachbesserung, die man nicht berechnen möchte: Das sind Abwägungen zwischen Ertrag und Beziehung. Eine KI-Stelle macht sie sichtbar, sie entscheidet sie nicht.
- Die Freigabe. Für die Richtigkeit einer Rechnung, auch steuerlich, steht der Betrieb ein, der sie ausstellt. Deshalb gibt bei uns immer ein Mensch frei. Ein Format, das eine Maschine lesen kann, ist kein Grund, eine Rechnung ungelesen zu verschicken.
Was dieser Ablauf nicht ist: kein Mahnwesen, keine Belegbuchhaltung
Rund um die Rechnung gibt es drei Abläufe, die oft in einen Topf geworfen werden. Sie gehören getrennt, weil sie unterschiedliche Fragen beantworten und unterschiedliche Menschen entscheiden:
| Ablauf | Worum es geht | Wer freigibt |
|---|---|---|
| Rechnungsstellung (dieser Beitrag) | Aus erledigter Arbeit wird eine richtige, vollständige Ausgangsrechnung. | Büro, Meister oder Projektleitung – wer den Auftrag kennt |
| Mahnwesen | Offene Posten nachhalten, Zahlungen zuordnen, Erinnerungen vorbereiten. | Wer die Kundenbeziehung kennt und über den Ton entscheidet |
| Belegbuchhaltung | Eingangsrechnungen und Belege erfassen, prüfen, vorkontieren, Zahlungen vorbereiten. | Buchhaltung und Geschäftsführung |
Die Rechnungsstellung endet mit der freigegebenen, verschickten Rechnung. Was danach mit dem Zahlungseingang passiert, beschreibt Mahnwesen mit KI im Mittelstand. Wie eine KI-Stelle Eingangsrechnungen liest und vorkontiert, steht in Buchhaltung mit KI im Mittelstand. Alle drei Abläufe können von KI-Stellen vorbereitet werden. Jeder hat aber seinen eigenen Freigabe-Moment, und keiner ersetzt den Steuerberater.
Welche Voraussetzungen nötig sind
Eine KI-Stelle ist kein Programm, das man installiert und das dann weiß, wie Ihr Betrieb abrechnet. Sie arbeitet mit dem, was Ihr Betrieb über seine Aufträge weiß. Vier Dinge braucht sie:
- Auffindbare Unterlagen je Auftrag. Stundenzettel, Lieferscheine und Aufmaße müssen irgendwo ankommen, wo die KI-Stelle sie lesen kann: in einem Postfach, einer Baustellen-App, einem Ordner im Netzwerk. Ein Foto mit dem Handy genügt. Wie Notizen von der Baustelle zu verwertbaren Unterlagen werden, zeigt KI im Handwerk.
- Angebote und Aufträge mit Positionen. Abgleichen lässt sich nur, was vorher als Position festgehalten wurde. Ein Angebot als Fließtext in einer E-Mail reicht für einen sauberen Abgleich nicht. Wie Aufträge strukturiert erfasst werden, beschreibt Auftragsabwicklung mit KI im Mittelstand.
- Eine beschriebene Abrechnungsregel. Wie werden Anfahrten berechnet? Ab wann gilt eine Mehrstunde als Nachtrag? Welche Kunden bekommen Sammelrechnungen, welche brauchen eine Bestellnummer? Wer gibt welche Rechnungen frei? Das ist meist auf einer Seite aufgeschrieben und lohnt sich auch ohne KI. Wie Sie einen Ablauf in fünf Punkten beschreiben, steht in Prozesse zuerst.
- Eine Rechnungssoftware, die E-Rechnungen kann. Die KI-Stelle bereitet die Daten vor, erzeugt wird die Rechnung in Ihrem Programm. Ob es XRechnung oder ZUGFeRD im richtigen Profil ausgibt, sollten Sie ohnehin vor 2027 prüfen. Wie Daten zwischen Programmen fließen, ohne abgetippt zu werden, beschreibt Medienbrüche beseitigen.
Wenn Sie bei zwei dieser Punkte zögern, ist das kein Grund zum Aufgeben, sondern der erste Schritt. Kundenspezifische Abrechnungsregeln, die heute nur eine Person im Büro kennt, gehören als geprüfte Karten ins Firmengehirn. Dann hängt die Rechnungsstellung nicht mehr an einem Urlaub.
Wie Kunden- und Auftragsdaten dabei geschützt sind
In Rechnungen stecken Kundendaten, Preise, Konditionen und Namen von Mitarbeitenden auf Stundenzetteln. Bei uns liegen die Vorgänge auf unseren Servern in Deutschland in einem nach ISO 27001 zertifizierten Rechenzentrum, mit Off-Site-Backup in der EU. Für das Lesen und Formulieren werden Inhalte an einen Modellanbieter übermittelt – vertraglich abgesichert, ohne Training auf Kundendaten, mit EU-Option. Preise und Konditionen liegen im Firmengehirn mit einer Vertraulichkeitsstufe, die nur die zuständigen Menschen und KI-Stellen erreichen. Stundenzettel dienen der Abrechnung, nicht der Bewertung von Mitarbeitenden – auch das ist eine Regel, die man bei der Einführung ausdrücklich festhält. Unsere Systeme sind nach dem Grundsatz Privacy by Design gebaut; unsere Betreiberdokumentation wird derzeit geschlossen. Mehr dazu in KI-Datenschutz im Mittelstand.
Ein sinnvoller erster Schritt
Wer seine Rechnungsstellung mit KI entlasten will, sollte nicht mit allen Aufträgen gleichzeitig anfangen. Bewährt hat sich diese Reihenfolge:
- Mit einer Auftragsart beginnen. Etwa Service- und Wartungseinsätze: Sie kommen oft vor, haben wenige Positionen, und ob der Entwurf stimmt, lässt sich am Stundenzettel sofort prüfen.
- Vier Wochen parallel laufen lassen. Das Büro schreibt die Rechnungen weiter wie bisher und vergleicht mit dem Entwurf der KI-Stelle: Stimmen die Positionen? Hat sie die Abweichungen gefunden, die das Büro gefunden hat? Hat sie Unklares markiert oder geraten? Danach entscheiden Sie, ob die Stelle bleibt – so, wie wir es in Die Probezeit einer KI-Stelle beschreiben.
- Dann Projekte mit Aufmaß und Abschlägen. Wenn die einfachen Rechnungen sitzen, kommen größere Aufträge mit Nachträgen, Aufmaß und Abschlagsrechnungen dazu.
- Die E-Rechnung früh mitdenken. Ab dem ersten Entwurf sollten die Daten so vollständig sein, dass sie auch als E-Rechnung tragen. Dann ist 2027 kein zweites Projekt.
Ein einfacher Test für die nächsten zwei Wochen: Notieren Sie bei jedem erledigten Auftrag das Datum der Fertigmeldung und das Datum, an dem die Rechnung verschickt wurde – und bei den Rechnungen mit dem größten Abstand, woran es gelegen hat.
Was Sie mitnehmen sollten
Zwischen erledigtem Auftrag und verschickter Rechnung liegt in vielen Betrieben tagelange Büroarbeit, und die Pflicht zur E-Rechnung macht diese Arbeit nicht kleiner. Eine KI-Stelle kann sie vorbereiten. Niemand sammelt mehr Stundenzettel, Lieferscheine und Aufmaße zusammen. Niemand gleicht Positionen noch von Hand mit Angebot und Auftrag ab. Niemand tippt Rechnungen mehr ab. Stattdessen liest der Mensch einen fertigen Rechnungsentwurf, sieht markierte Abweichungen wie Mehrstunden ohne Nachtrag und entscheidet über Versand oder Korrektur. Die strukturierten Daten für die E-Rechnung arbeitet die KI-Stelle gleich mit zu. Preise, Kulanz und Freigabe bleiben beim Betrieb – weil eine Rechnung eine Forderung an einen Kunden ist und dafür ein Mensch geradestehen sollte.
Ob eine KI-Stelle Ihrer Rechnungsstellung Arbeit abnimmt und womit Sie anfangen sollten, hängt an Ihren Abläufen und Ihren Daten. Vereinbaren Sie ein Erstgespräch – 30 Minuten, kein Verkaufsgespräch. Danach erhalten Sie binnen 48 Stunden ab dem Gespräch, werktags, eine schriftliche Einschätzung auf einer Seite: ob es sich für Ihren Betrieb lohnt, womit Sie anfangen sollten und welcher Förderweg in Frage kommt. Für die Beratung gilt: Bis zu 80 % Förderung möglich. Die Einrichtung einer KI-Stelle ist Umsetzung und wird getrennt beauftragt. Was gefördert wird und in welcher Reihenfolge, steht in Förderung für KI-Beratung in Mecklenburg-Vorpommern.
Häufige Fragen zur Rechnungsstellung mit KI
Verschickt die KI-Stelle Rechnungen selbstständig?
Ab wann müssen wir E-Rechnungen ausstellen?
Ist eine PDF-Rechnung per E-Mail schon eine E-Rechnung?
Brauchen wir für die KI-Stelle eine neue Rechnungssoftware?
Kümmert sich die KI-Stelle auch um Mahnungen und Buchungen?
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